Salzburgerin näht Taschen für die Umwelt

Eine Salzburgerin hat schon 2000 Stoff-Einkaufstaschen genäht und verschenkt – und liegt voll im Trend.

Schon als Mathematikehrerin an der Neuen Mittelschule Nonntal wollte sie mit ihren Schülern Müllvermeidung thematisieren. Weil aber nie genug Zeit dafür  war, schob Hermana Angelberger, die dort 38 Jahre unterrichtete, das Thema auf. Bis sie auf die Geschichte mit dem verendeten Wal stieß. „Die  Engländerin Claire Morsman sah ihn am Strand, er war an 16 Plastiksäcken im Magen zugrunde gegangen“, erzählt die Pucherin.

An Plastik verendeter Wal gab Ausschlag fürs Nähen

Morsman setzte sich damals an ihre Nähmaschine, um Stoff-Einkaufstaschen  zu nähen und zu verschenken. Ihr Ziel: Die Plastiksackerl sollen verschwinden. Morsmans Initiative  schlug ein, Menschen in ganz Europa  tun es ihr inzwischen gleich.
„Das mache ich auch!“, beschloss die Lehrerin. Damals, vor fünf Jahren,  ging sie gerade in Pension. Flugs richtete sie in ihrem Pucher Heim ein Nähzimmer ein, dort näht sie seither fast täglich. Der Ablauf ist aufwändig: Stoffe waschen, bügeln, auf verschiedene Größen zuschneiden, Stoff für das  Außentascherl aussuchen, nähen, nochmals bügeln. Auf die Einkaufstaschen setzt sie mit Stoffstift ein schlichtes A.H..

Geschenkte Stofftaschen gehen weg wie warme Semmerln

„Warum verlangst du denn kein Geld?“, fragten Familienmitglieder und Freunde, als Angelberger schon dutzende Taschen verschenkt hatte. Weil es ihr eine Herzensangelegenheit sei,  antwortet die Ex-Lehrerin, die inzwischen 2000 Taschen unters Volk gebracht hat. „Mein Motto ist: Müll vermeiden! Wer  eine Stofftasche hat, braucht kein Plastiksackerl, das dann im Abfall landen würde“, so Angelberger. Sie ist überzeugt:  Wenn Menschen gratis etwas Schönes bekommen, lassen sie sich am leichtesten für ihre Sache motivieren.
Und wie recht die Pucherin hat. Seit sie ihre Taschen nicht nur privat verschenkt, sondern auch Sozialeinrichtungen und zwei  Geschäfte beliefert, steigen im Tennengau immer mehr Leute von Plastik auf Stoff um. Die Angestellten der Arnika Apotheke in Puch bieten Kunden, die das „obligatorisch“ angebotene Plastiksackerl ablehnen,  Angelberger-Stofftaschen in klein, mittel oder groß an. „Unsere Kunden sind begeistert, wenn wir die Geschichte erzählen, weil sie sehen, was dahintersteckt“, sagt Apothekerin Maria Kanitz.

 

Metzger: „Kunden kommen mit derselben Tasche wieder“

„Plötzlich kommen die Leute immer wieder mit derselben Angelberger-Einkaufstasche“, sagt auch  Metzger Peter Gschaider. Er und seine Standlerkollegen vom Bauernmarkt der Landwirtschaftsschule Winklhof in Oberalm händigen seit vier Jahren die robusten, bunten Stofftaschen aus. Statt an jedem Stand ein extra Plastiksackerl zu nehmen, packen jetzt sehr viele Kunden ihr Brot, Gemüse, Eier oder Speck in die geräumige Tasche.

Viel Plastikmüll gespart – Mitmachen möglich

Metzger Gschaider findet das gut: „Da haben wir schon eine ganze Menge Plastikmüll eingespart.“ Dass man für das Einkaufen immer eine Tasche dabei hat, ist für viele Leute  Neuland, aber es werden mehr. Manchen fehlt nur ein „Stups“. Ein Mann schrieb Hermana Angelberger einen Dankesbrief für die schöne Tasche, die er in der Apotheke geschenkt bekommen hatte. „Die wird mich ab nun stets begleiten.“

Kontakt: hermana@utanet.at (Stoffabgaben, Taschenwünsche); Am Projekt Morsbags kann jedermann teilnehmen, der eine Nähmaschine hat.

Von Sabine Tschalyj

Fotos: Marco Riebler