Der Handel verbannt die Plastiksackerl

Müll vermeiden lautet das Gebot der Stunde. Dem hat sich  jetzt auch der Handel verschrieben. Kunden sollen von Plastiksackerln auf Mehrwegtaschen umsteigen.

Tschüss Plastiksackerl – diese Botschaft vermitteln seit wenigen Tagen große Handelsunternehmen ihren Kunden. „Der Umwelt zuliebe verzichten wir auf Plastik-Tragetaschen“, informiert die Hofer KG in Zeitungsinseraten. Auch Billa und Merkur verkaufen gerade ihre letzten Plastiksackerl. „Mit alternativen Tragetaschen tun Sie der Welt etwas Gutes“, ließ die REWE-Gruppe ihre Kunden in den jüngsten Werbebroschüren  wissen. Sie empfiehlt  Papiersackerl.

Ganz einig ist sich der Handel nicht. Papiersackerl seien wegen der aufwändigen Herstellung nicht besser als Plastiksackerl, weshalb Spar diese nicht aussortiere, so Pressesprecherin Nicole Berkmann. Bisherige Plastiksackerlkäufer würden sonst auf Papier umsteigen, was eben keinen Sinn mache, so Berkmann.  Stattdessen  bewirbt Spar Mehrwegtaschen nicht bloß, sondern  verkauft sie in Aktionen zum halben Preis. Einen Aufruf machen alle: Die Kunden sollen  ihre Mehrweg- oder Papier-Einkaufstaschen mehrfach verwenden, um Müll zu vermeiden.

50 Plastiksackerl pro Person und Jahr ist zu viel

Hintergrund der Kampfansage ans Plastik ist eine Änderung der EU-Verpackungsrichtlinie, die die EU-Länder zur Reduktion von Plastiksackerl verpflichtet. In Österreich startete das Umweltministerium (BMLFUW) zu diesem Zweck die Kampagne „Pfiat di Sackerl“. Sie soll den jährlichen Verbrauch von 50 auf 25 Plastiksackerl pro Einwohner halbieren. „Plastiksackerl verbrauchen wertvolle Ressourcen und belasten bei falscher Entsorgung die Umwelt, insbesondere die Gewässer“, begründet Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP).

Zu einem Verbot der Plastiksackerl hat man sich nicht durchgerungen. In einer freiwilligen Vereinbarung verpflichten sich zwölf große Handelsbetriebe dazu, Einwegsackerl nur noch kostenpflichtig abzugeben und stattdessen Mehrwegtaschen zu forcieren.  Unterzeichnet haben unter anderem Reiter Betten GmbH, Lidl Österreich GmbH, Handelsverband, Deichmann, REWE International AG, Hofer KG, Spar AG, Media/Saturn. Auf weitere Unterzeichner wird gewartet.

Von Sabine Tschalyj