„Wir sollten Bier zelebrieren“

Kreativer, individueller, verrückter: 2016 war das Jahr des Craft-Biers. Josef „Seppi“ Sigl ist schon einen Schritt weiter. Seitdem er 2014 die Trumer Privatbrauerei von seinem Vater übernommen hat, verschreibt sich der junge Unternehmer den Bedürfnissen einer neuen Generation von Biertrinkern: Nachhaltigkeit, Regionalität und sozialem Engagement.

Sie führen die Trumer Privatbrauerei in der achten Generation. Macht so ein Familienunternehmen auch Druck?
Es ist natürlich viel Verantwortung, aber auch eine tolle Chance. Als Junger ist es spannend, Dinge zu bewegen und mal anders zu denken als bisher. Jede Generation hat die Firma mit den Werten dieser Zeit geprägt.

Ein Trend in Ihrer Generation ist eindeutig Craft-Bier. Wann ist ein Bier eigentlich „Craft“?
Jeder definiert Craft-Bier anders. Das ist ein Problem. Normalerweise denkt man dabei an kleine Brauereien, die besonders wilde Biere machen. Das stimmt aber nicht. Für mich ist ein Bier dann „Craft“, wenn es von einer Brauerei kommt, die mit viel Herzblut braut, und wenn das Bier nicht dem völligen Mainstream unterliegt.

Woran liegt die große Nachfrage nach kreativen Bieren?
Ich glaube, das hängt ganz stark mit den Megatrends Regionalisierung, Gesundheit und bewussterem Genießen zusammen. Die Leute interessieren sich wieder dafür, wer hinter einem Produkt steht.

Hängt das auch damit zusammen, dass die Konsumenten immer individueller werden?
Das ist ein wesentlicher Punkt. Man inszeniert sich selbst mit individuellen Produkten. Das gehört zum Lifestyle. Nur dass es in unserer Generation nicht mehr die Rolex und der dicke Ferrari sind, sondern Dinge wie Ernährung, Konsum und Gesundheitsbewusstsein, die unsere Identität prägen.

Regionalität liegt extrem im Trend. Aber lässt sich damit auch Geld verdienen?
Das ist keine leichte Frage aber ich denke auf jeden Fall. Für uns ist die Regionalität eine extrem wichtige Verankerung auch wenn wir nicht ausschließlich darauf setzen. Die rein regionale Abhängigkeit kann sicher auch eine Gefahr sein.

Trumer geht in letzter Zeit unkonventionelle Wege. Zum Beispiel mit der syrischen Pop-up-Kitchen in der Trumerei. Woher kommt dieser Fokus auf Soziales?
Das ist eine persönliche Lebenseinstellung, sowohl von meinem Vater als auch von mir. Vor allem in der Kulinarik kann man Neues zulassen. Damit lassen sich Brücken schlagen. Die syrische Küche hat gezeigt, dass Essen die Leute zusammenbringt. Wir müssen wieder Orte schaffen, wo die Leute auch in der Offline-Welt miteinander reden. Das wird in Zukunft noch viel wichtiger werden.

Apropos Zukunft: Wie soll es für Trumer weitergehen?
Wir wollen, dass die Wertschätzung für Bier wieder steigt. Wir sollten die neue Bierkultur zelebrieren.

von Katharina Maier

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