Blaue Damen und zornige junge Männer

Pannen und Glück im Wahlkampf: Hofers Charmeoffensive ging nach hinten los. Van-der-Bellen-Unterstützer spendeten 2,4 Millionen Euro.

Vorneweg: Alle sind froh, wenn es vorbei ist. Dieser lange Wahlkampf versandete am Ende.„Die Stimmung ist gut, nicht einmal die deklarierten Van-der-Bellen-Feinde sind so bös, wie sie noch vor Monaten waren“, findet der grüne Landtagsabgeordnete Josef Scheinast.

Selbst ein peinlicher Vorfall bei den Blauen sorgte nur noch für einen kleinen Aufreger. Es war Mitte November, als Norbert Hofer zu einem blauen Ladies Business Lunch ins Salzburger Hotel Crowne Plaza kam. Im Zentrum der Veranstaltung: die Frauen, ihre Sorgen, ihre Nöte, so Hofer vor 90 Zuhörerinnen. Die  Nahost-Expertin  Karin Kneissl referierte über die „zornigen jungen Männer“ aus dem arabischen Raum, deren problematisches Frauenbild. Und dann platzte ausgerechnet die Geschichte von dem zornigen, jungen FPÖ-Mann, der wegen mutmaßlicher häuslicher Gewalt verhaftet wurde.

Bezirksobmann verhaftet

Der leitende Pinzgauer Funktionär war von seiner Lebensgefährtin angezeigt worden. Der 31-Jährige habe sie seit einiger Zeit in der gemeinsamen Wohnung  bedroht, bespuckt und  körperlich attackiert.  Der Waffenbesitzer und Sportschütze war schon vorher wegen provozierender Postings aufgefallen. Noch am Tag des blauen Damen-Treffens handelte Landesparteichefin Marlene Svazek: Der Funktionär  erklärte schriftlich seinen Rücktritt und Parteiaustritt. In der FPÖ dulde man keine Gewalt gegen Frauen, sagte Svazek – und  sprach dann noch von einem „privaten Schicksalsschlag“.

Knappes Rennen

Und sonst? – gab es viele Vandalenakte. FPÖ-Pressesprecher Andreas Maschek: „Wir haben Plastikplakate, die man mit Kabelbindern an Bäume und Masten hängen kann, an die  Ortsparteiobmänner geschickt. In Kuchl wurden 13, 14  dieser Plakate angebracht –  über Nacht waren alle wieder weg. In Maxglan wurde  ebenfalls alles heruntergerissen und auf die  Maxglaner Hauptstraße geschmissen. Es ist schon ein ziemlicher Hass da“, so Maschek. Wegen der Beschmierungen (Hitlerbärtchen, Hakenkreuze) habe man im Zwischenwahlkampf keine große Plakatserie mehr gemacht. „Das kostet österreichweit 150.000 Euro.“

Grüne Salzburg: Kosten 200.000 Euro

Für  das Team Van der Bellen ist es finanziell indessen „sensationell gelaufen“, sagte ein Sprecher zum SF.  Am  Sonntag legte man die Spendeneinnahmen offen. „Seit Juli haben 20.000 Privatpersonen  2,4 Millionen Euro für Alexander Van der Bellen gespendet. Wir haben mittlerweile mehr als 10.000 Ehrenamtliche, die für uns auf die Straße gehen.“

Die grüne Landesorganisation hat in ganz Salzburg 1500 Kleinplakatständer aufgestellt. „Das wird uns etwas über 200.000 Euro kosten“, schätzt Landesgeschäftsführer Rudi Hemetsberger. „Uns helfen Menschen, die zum Teil gar nichts mit uns zu tun haben. Auch Leute von der SPÖ und ÖVP sind dabei. Einige fürchten sich, andere wollen den  Hofer verhindern, andere finden Van der Bellen klass.“ Sowohl Grüne als auch die Freiheitlichen glauben, dass das Rennen ganz knapp ausgehen wird.

Sonja Wenger

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