Filmkritik: „Liebe möglicherweise“

Handlung:

Im Wien der Gegenwart treffen unterschiedliche Menschen aufeinander, die sich allesamt an einem Kreuzungspunkt in ihrem Leben befinden. Da ist etwa ein verheirateter Familienvater, der seinen Job kündigt und ein Verhältnis mit der schönen Freundin seines Freundes beginnt. Seine Frau, eine Ärztin, die sich danach sehnt, mal bedingungslos in den Arm genommen zu werden, entdeckt die Untreue und wirft ihren Mann aus der gemeinsamen Wohnung. Einer der Patienten der Ärztin ist ein 14-jähriger Junge, der im Koma liegt. Dessen Mutter harrt verzweifelt am Krankenbett aus. Ein schwarzer Mann mit einem großen Geheimnis steht ihr zur Seite. Und schließlich ist da noch ein alter, einsamer Witwer. Sein Sohn, dem der Familienvater die Freundin ausgespannt hat, trifft sich nun öfter mit dessen Frau, quasi Partnertausch.

Inszenierung:

Mit „Liebe möglicherweise“ präsentiert der österreichische Regisseur Michael Kreihsl einen Episodenfilm im Stil von Robert Altmans „Short Cuts“. D. h., es gibt ein umfangreiches Figurenensemble, deren Schicksale mal mehr, mal weniger zusammenhängen. Der Film lotet hierbei die unterschiedlichsten Formen von Liebe aus, jene zwischen Mann und Frau, jene zwischen Eltern und Kindern und jene zwischen Täter und Opfer. Es wird viel gestritten, betrogen, geschwiegen und um Verzeihung gebeten. Trotz der großen Dramen ist die Inszenierung angenehm unaufgeregt. Ein Ensemble aus deutschsprachigen Schauspielern – unter ihnen: Devid Striesow, Otto Schenk und Edita Malovcic – leidet und liebt auf hohem Niveau. Friedrich Guldas einzige Schubert-Einspielung sorgt für einen wunderbaren Moment: „In dieser Musik steckt alles drin, was uns zu Menschen macht.“

Botschaft:

„Das Leben wiederholt sich nicht, man muss sorgsam damit umgehen“, sagt Regisseur Kreihsl über die Essenz seines Films. Das gilt speziell auch für die Liebe.

Der bewegendste Moment:

Von allen Beziehungen nimmt jene zwischen dem Familienvater und seiner Tochter die schönste Wendung. „Warte nicht darauf, geliebt zu werden“, gibt er ihr am Ende als Rat mit auf ihren Weg nach Amerika.

 

Fazit:

Mit „Liebe möglicherweise“ gelingt Regisseur Michael Kreihsl ein zugleich leichtfüßiger wie tiefgründiger Episodenfilm über die vielen Arten zu lieben. Ab 2. Dezember in den Kinos.

Helmut Hollerweger