Walter Steidl: „Es gibt auch Idioten bei uns“

Walter Steidl, Chef der Salzburger SPÖ, hat Kanzler Faymann gestürzt und eine Partei übernommen, die vom Wähler in den Hades geschickt wurde. Steidl fürchtet sich nicht mehr. Über ein paar Genossen ärgert Steidl sich zurzeit aber so, dass wir die Erlaubnis einholten, seine Ansagen zitieren zu dürfen. Wir dürfen.

Vorneweg: Steidl sieht die Partei auf dem richtigen Weg. „90 Prozent der Leute in der Salzburger SPÖ sind in Ordnung, engagiert, ehrlich. Das sind die guten Leute, auf die ich mich verlassen kann.“ Mit ihnen könne man den schwierigen Weg gehen.

Die Sache mit einer Umfrage ist medial und menschlich aber in die Hose gegangen. Eine Befragung der Partei sei von Genossen „verkauft“ worden. Das Papier des Meinungsforschers Günther Ogris (Sora) war in einer erweiterten Präsidiumssitzung präsentiert worden. Einer der Teilnehmer fotografierte ein Ergebnis – die Sonntagsfrage, die Ogris aus eigenem Antrieb errechnet hatte. Sie wies die SPÖ mit nur 19 Prozent aus (ÖVP und FPÖ lagen laut „Salzburger Nachrichten“ bei 27 Prozent). Bürgermeister-Kandidat Bernhard Auinger, der sich mit Spezialfragen (Sympathie, Bekanntheit) angehängt hatte, war übrigens nicht anwesend.

Man wisse nicht, wer das in die Welt posaunt habe, so Steidl: „Es gibt immer wieder irgendwelche Idioten. Das sind politische Masochisten, die gab’s immer schon in der SPÖ. Ich habe ein neues Klima der Transparenz versucht – wir sind halt schnell an einer intellektuellen Grenze angelangt.“

Dann die Geschichte mit Bundesrätin Susanne Kurz. Nach der Desasterwahl 2013 habe er, Steidl, mit allen Mandataren Vieraugengespräche geführt, wie es weitergehen könne. „Susi Kurz wollte wieder für den Bundesrat vorgeschlagen werden. Wenn ich ihr da entgegenkomme, verspricht sie mir in die Hand, dass sie mit ihrem 60. Geburtstag ihr Bundesratsmandat aufgibt.“
Kurz gibt Mandat nicht herKurz wurde heuer 60, will nun aber nicht ausscheiden. Weshalb Tarik Mete im Dezember den Landtag wohl verlassen muss, da die junge Niki Solarz nach der Babypause in den Chiemseehof zurückkehren will. Steidl: „Der Frau Kurz ist das wurscht, wie es der Partei geht. Sie interessieren nur die eigenen Angelegenheiten.“

Susanne Kurz bestätigt das Gespräch mit Steidl. „Er glaubt, ich hätte gesagt, ich gehe mit 60. Ich sehe das nicht so.“ Die Langzeit-Politikerin sah sich zuletzt auch mit anonymen Anwürfen konfrontiert. Das Schreiben hatte einen riesigen Verteiler. Demnach sei es im „Rotary Club ein offenes Geheimnis, dass das Ehepaar Susanne und Franz Kurz auf Kosten des Bundesrats nach China reise“. Dabei würden „Geschäfte für die Firma des Herrn Kurz eingefädelt“. Der Bundesratspräsident und die Parlamentsdirektion bezeichneten die Vorwürfe am Ende als falsch. Sämtliche Spesenausgaben wurden geprüft und als korrekt befunden. Susanne Kurz: „Das ist eine völlige Erfindung der Neidgesellschaft. Ich war mehrmals in China im Auftrag des Bundesrats und auch privat. Das zahle ich selbst.“

Ihr Mann habe Geschäftsbeziehungen nach China. Er habe unter anderem die Firma A.S.S.-Experts, eine Sachverständigenplattform. An der ganz neuen Firma Kurz Education & Marketing sei auch sie beteiligt, so Susanne Kurz. „Damit machen wir ein Bildungsprojekt im Iran.“

Sonja Wenger