Er dachte, „ich sterbe“, als das Auto selbst fuhr

Bernhard Auinger erntete Spott dafür. Aber er bleibt dabei: „Selbstfahrende Autos sind in 30 Jahren der Standard.“

Selbstfahrende Fahrzeuge würden das Verkehrsproblem der Stadt Salzburg lösen – diese auf einer Pressekonferenz getätigte Äußerung hat dem SPÖ-Klubchef und Bürgermeisterkandidaten Bernhard Auinger viel Spott und Hohn eingebracht. Zu Unrecht, wie sich bei näherer Beschäftigung mit der Materie zeigt. Tatsächlich arbeite die Autoindustrie bereits längst an der nächsten Technikrevolution, sagt Auinger: „Der Elektroantrieb für Fahrzeuge und das Ende des Verbrennungsmotors sind der erste Schritt. Das ist schon im Gang. Als Nächstes kommt die Digitalisierung des Verkehrs, die Smart-City.“

Gemeint sind intelligente, selbstfahrende Fahrzeuge, aber auch elektronisch erfasste Parkplätze und Verkehrsleitsysteme. Die Wiener Firma „Parkbob“ wird demnächst der Stadt Salzburg das Modell digitalisierter Parkplätze vorstellen, wie Barcelona oder Moskau dies seit Langem haben. Ein kleiner Draht in der Bodenmarkierung überträgt dabei über eine App die Information, ob die Stellfläche frei ist oder besetzt, und rechnet auch gleich die Kosten ab.

Selbstfahrende Autos und Busse sind laut Auinger in Skandinavien, der Schweiz und den USA längst im Testbetrieb unterwegs. Österreich und Deutschland hinkten hier stark hinterher. So hat Mercedes in Amsterdam fahrerlose Minibusse eingesetzt. „Die sind mit 20 km/h unterwegs und verbinden Nebenlinien, wo sich ein großer Bus wirtschaftlich nie rechnen würde. Man bestellt den Bus mit einer App zu seiner Wohnung oder nahe dorthin“, so Auinger. Dies sei ein Anreiz, auf das Auto zu verzichten, und könne den Individualverkehr in den Städten um bis zu 70 Prozent senken, sage die Digitalisierungsabteilung bei Porsche. Konzern-Betriebsratschef Auinger: „Der autonome Verkehr wird kommen. In 30 Jahren ist das Standard.“

„Beklemmendes Gefühl“

Der Autopilot auf der Straße funktioniert über GPS, Sensoren erkennen Ampelsignale, bremsen das Fahrzeug, wenn jemand die Straße betritt, halten Tempobeschränkungen und Abstand zum Vordermann präzise ein. Und die Akzeptanz? Junge Menschen täten sich wohl leichter damit, glaubt Auinger. Selbst ihn habe ein Selbstversuch extrem irritiert. „Ich bin einen Parcours gefahren. Das Auto hat sich meine Fahrweise gemerkt und ist dann selbst gefahren. Ich sage ganz offen, das war am Anfang ein wahnsinnig beklemmendes Gefühl. Ich hab mir gedacht, ich sterbe.“

Die Frage, ob computergesteuertes Fahren sicherer ist, ist umstritten. In den USA kam es bereits zu einem tödlichen Unfall, weil ein selbstfahrender Tesla in einen Lkw hineinfuhr, dessen Koordinaten er falsch berechnet hatte. Ungelöst ist auch die Versicherungsfrage (wer ist schuld?). Und die neue Technologie werde Arbeitsplätze vernichten – aber nicht schlagartig, so der Sozialdemokrat. Es würden neue Jobs entstehen. „Früher bauten Schweißer die Karosserien zusammen, heute tun das Roboter. Trotzdem ist die Beschäftigung in der Autoindustrie gestiegen“, so Auinger.

Von Sonja Wenger